Zum Almabtrieb am Wilden Kaiser

AlmabtriebDie Kühe kommen gerade von der Alm

4 Erwachsene und 2 Hunde

In der Landwirtschaft aufgewachsen, hatte ich spätestens mit 18 keine Lust mehr auf Dorfleben und der dazugehörigen Arbeit. Erst Jahre später erinnerte ich mich wieder gern an Kindheitstage. Seit ein paar Jahren spreche ich zusammen mit meinem Vater darüber, einen Almabtrieb anzuschauen. In diesem Jahr sollte es nun so weit sein und so kam es, das wir beide unsere jeweils bessere Hälfte und die zwei Hunde einpackten und nach Tirol fuhren. Am Freitag Nachmittag ging es nach Söll an den Wilden Kaiser.

Gemeinsam Kühe abtreiben für 1 Sack voll Futter

In Söll ist der gemeinsame Almabtrieb vor ca. 40 Jahren entstanden. 
Damals hat jeder Bauer für sich, wenn die Zeit gekommen war, seine Herde 
nach 100 Tagen Sommer von den Almen geholt. Spektakulär war damals noch 
gar nichts, nur jede Menge Arbeit, was unser einer nicht sieht. 
Ein Futtermittel Hersteller, welcher eine Vision pflegte, versuchte den 
Bauern diese schmackhaft zu machen. 
So kam es das dieser Herr, dessen Name nicht überliefert wurde, 
den Bauern seine Idee unterbreitete. 
"Wenn Ihr es schafft, alle gemeinsam an einem Tag eure Kühe festlich 
geschmückt von den Almen zu treiben, 
dann spendiere ich jedem Bauern einen Sack Futter." 
Nicht mehr und nicht weniger ging es zu zur damaligen Zeit. 

Tiefe Freundschaft

Endlich angekommen, haben wir uns am Abend  von unserer Gastwirtin verwöhnen lassen.  Bei einem Bier und Schweinebraten ging die Sonne unter, und wir voller Vorfreude auf den nächsten Tag. Für Gaia ist es immer wieder eine Riesen Freude zusammen mit Ihrer besten Freundin, einer Langhaardackel Dame unterwegs zu sein. Beide sind sie fast gleich alt und pflegen eine tiefe Freundschaft. So haben wir es aufgegeben, beide getrennt schlafen zu lassen.

Das Dorf

Am nächsten Morgen sind wir alle früh aufgestanden, wollten wir schließlich nichts verpassen. Das Wetter hat es auch gut mit uns gemeint, vorhergesagt war Regen, stattdessen haben wir den ganzen Tag über keinen Tropfen gesehen. Bis nach Söll waren es 5 Kilometer. Überall saftige grüne Wiesen, solch einen Anblick haben wir in diesem Sommer selten gesehen. Söll ist eines der Dörfer in denen der Almabtrieb mit einem Fest begonnen hat. Erst nach und nach haben andere Dörfer erkannt, das es nicht nur schön ist diesen Tag zu feiern, sondern das sich dieser auch touristisch vermarkten lässt. Angekommen in Söll, hatten wir noch genug Zeit um uns das Dorf anzuschauen. Überall wurden kleine Stände aufgebaut. Zum Kauf wurden nicht nur Schnitzereien, sondern auch sämtliche Schmankerl aus der Region angeboten. Bis dahin war es für Gaia und Ihre beste Freundin Amira noch uninteressant. Ausser den vielen Besuchern und dem ein oder anderen, welcher die beiden so süß fand, war es eher langweilig.

Der Almabtrieb

Wir haben uns einen Platz direkt im Ort gesucht, direkt beim Wirt sollten die Kühe vorbei getrieben werden. Dem konnten wir kaum glauben, nahmen aber doch Platz beim ersten Bier am Tag. Die Uhr schlug 12 und man hörte schon die Glocken von weitem. Tatsächlich kamen sie von der Hauptstrasse direkt auf uns zu. Auf einmal war es vorbei mit der Ruhe, beide Hunde versteckten sich unter unseren Stühlen und steckten doch die Nase ein kleines Stück heraus. Die Freude meines Vaters war nicht mehr zu übersehen, normalerweise eher etwas Griesgrämig drein schauend, hatte er heute ein Riesen Grinsen im Gesicht. Die Kühe waren festlich geschmückt, so wie wir uns das vorgestellt hatten. Nach kurzen Abständen kamen die nächsten Bauern stolz mit Ihren Kühen um die Ecke.

Schafe im Dorf

Schafe werden durch das Dorf getrieben. Amira sicher auf dem Schoß meiner Mutter

Almabtrieb

Die Kühe beim Marsch durch Söll

geschmückte Kuh

Die Kühe treffen im Dorf ein

 

Neben Kühen kamen auch Schaf- und Ziegenherden, welche am Morgen direkt von den Almen abgetrieben wurden.

Die Hohe Salve

Es war schön  zu sehen, wie viel Mühe sich die Bauern mit dem Blütenschmuck gegeben haben. Gegen 14 Uhr kam der letzte Bauer um die Ecke und war glücklich endlich im Tal zu sein.

Gondelfahrt

Auf dem Weg zur Hohen Salve

3 unschlagbar

Wir fahren auf die Alm zur Hohen Salve

 

 

 

 

 

 

 

Wir hingegen wollten gern den Ursprung sehen, wo sind sie denn nun genau hergekommen, die Bauern mit Ihren Kühen, Schafen und Ziegen. So machten wir uns auf zur nächsten Gondel um auf die Hohe Salve zu fahren. Der Salvenberg misst fast 2000m und ist gespickt mit Almen auf denen im Sommer die Kühe stehen und im Winter Ski gefahren wird. Hoch oben war es kalt, aber der Ausblick hat sich gelohnt.

Blick ins Tal

Der Blick von der Hohen Salve

Hohe Salve

Mein Vater hochzufrieden mit soviel Landleben

Bevor es wieder zurück ins Tal ging belohnten wir uns noch mit einem frischen Apfelstrudel und Vanilleeis. Gaia ließ es sich nicht nehmen auf der großen Wiese herum zu tollen, am schönsten fand sie dann wohl die großen Kuhfladen, was sie zum Anlass nahm sich ausgiebig darin zu wälzen. Ein weißer Hund und ein grüner Kuhfladen, vertragen sich besonders gut. Zu meinem Glück gab es mehrere Bäche in der Nähe.

Wenn Du Lust hast, schau in unser Video und hol dir ein paar Inspirationen.

https://www.youtube.com/watch?v=AYXoIJF93U0

 

 

 

2 Kommentare

  1. Christine Andres

    Toll geschrieben und bebildert! Man hat das Gefühl, die geschmückten Tiere sind genauso stolz wie die Bauern. Tiere gehören eben zu unserem Leben und verdienen unseren höchsten Respekt. Eine schöne Tradition, die hoffentlich weiter gepflegt wird.
    Vielen Dank für diesen Erlebnisbericht!

    • Hallo Frau Andres,

      vielen Dank für diesen tollen Kommentar. Wir hatten auch dieses Gefühl, das die Kühe stolz waren. Wir fanden sehr beeindruckend welche Einheit die Hirten mit Ihren Kühen gebildet haben, beide haben sehr stark einander vertraut. Diese Tradition empfinde ich, der auf dem Land groß geworden ist und viel mit Bauernwirtschaft zu tun hatte, als ein großes Geschenk. Ein Geschenk dies miterleben zu dürfen.

      VG
      Ralf & Gaia

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